Bring dein Gerät ruhig mit !!! Quelle: heise.de
Bislang ist in vielen Unternehmen aus Sicherheitsgründen nur
ganz bestimmte Smartphones erlaubt. Bei Colgate-Palmolive kann man
jetzt eine Umkehrung des Trends erleben.
Als die Manager von Colgate-Palmolive
sich im letzten Jahr trafen, um zu beratschlagen, wie sich der 205
Jahre alte Markenartikler stärker in der digitalen Wirtschaft engagieren
könnte, bekamen die Firmenführer von ihren eigenen Mitarbeitern einiges
zu hören. Eine der lautesten Gruppen: die Fans von Smartphones, die
ihre Geräte gerne endlich offiziell für Bürozwecke einsetzen wollten.
"Die Leute fragten: Warum kann ich meine Arbeits-E-Mail nicht auf
meinem eigenen Telefon abfragen?", erinnert sich Linda Van de Wiele, die
sich in der globalen IT-Abteilung des Multis als Direktorin mit dem
Thema Mitarbeiterkooperation beschäftigt.
Bis vor kurzem betrachteten viele Firmen die Mobilgeräte ihrer Angestellten weniger als Produktivitätswerkzeug denn als mögliches Sicherheitsproblem
. Die Mitarbeiter könnten sich ja beispielsweise auf unsichere Websites
begeben, ihre Firmenpost an private Accounts weiterleiten oder
Smartphones verlieren, die voller Firmengeheimnisse sind, hieß es oft.
Doch mit mehr als 468 Millionen Geräten aus der iPhone- oder
Android-Kategorie, die laut einem Bericht des IT-Analysehauses Gartner
in diesem Jahr verkauft werden sollen (von bis zu 70 Millionen Tablets
ganz zu schweigen), lässt sich der Trend schwerlich ignorieren. Und:
Viele Mitarbeiter machen ihren Job längst auf Consumer-Geräten – fast 37
Prozent laut einer aktuellen Umfrage sogar ohne offizielle Genehmigung
ihrer Firma. "Das Volk revoltiert", sagt Kevin Cavanaugh, Vizepräsident
der Collaboration-Solutions-Software-Gruppe bei IBM.
Das explosive Wachstum im Smartphone-Bereich führt nun dazu, dass
sich in den IT-Abteilungen einiges ändert. Bis Anfang des Jahres
erlaubte Colgate-Palmolive beispielsweise nur gut 1000 oberen Managern
den Zugriff auf die Firmen-E-Mail-Server – mit konzerneigenen
Blackberrys. Das entspricht gerade einmal knapp vier Prozent der
gesamten Mannschaft (aktueller Personalstand: 26.000). Dabei besitzt in
Amerika mittlerweile einer von drei Bürgern ein Smartphone.
Bei Colgate-Palmolive kam es deshalb zu einer erstaunlichen
Kursänderung. Die Leute an ihren Schreibtisch zu binden sei nicht mehr
zeitgemäß, sagt Van de Wiele. Die Herausforderung war nun, das
antiquierte alte System abzulösen. Dabei mussten die Angestellten
Laptops mit sich herumtragen und sich dann in ein privates Netzwerk
einloggten, um E-Mail zu lesen. Der Konzern brauchte einen Weg, den
Leuten die Nutzung persönlicher Telefone zu ermöglichen, um auf wichtige
Anwendungen wie elektronische Post und Kalender zuzugreifen – und das
möglichst ohne Extrakosten für die technische Unterstützung.
Vor kurzem war es schließlich so weit: Colgate-Palmolive startete ein
Programm, das sich "Bring Your Own Device" (BYOD) nennt. Kernstück ist
eine Website, die es Angestellten erlaubt, ihr persönliches Telefon oder
ihr Tablet zu registrieren und eine IBM-App namens "Traveler"
herunterzuladen, die dann Zugriff auf Kalender und Mails erlaubt – etwa
von iPhone oder Android-Geräten aus. (IBM bietet die Software
bestehenden Kunden kostenlos an, falls diese bereits Lotus Notes
einsetzen.) Bereits am ersten Tag registrierten sich 400 Mitarbeiter,
mittlerweile sind über 2500 aktive App-Nutzer in der Firma dabei – mit
steigender Tendenz.
Colgate-Palmolive erwartet, dass BYOD auf lange Sicht Geld sparen
wird. Nicht nur können mehr Mitarbeiter Büroarbeit unterwegs leisten,
sie werden es auch auf Geräten tun, für die der Konzern gar nicht zahlen
muss. Van de Wiele zufolge spart die Firma beispielsweise eine Million
Dollar im Jahr für die 524 Mitarbeiter, die persönliche Blackberrys
einsetzen. Wären das Firmengeräte, würde Research in Motion
Lizenzgebühren verlangen.
Ein wenig Kontrolle über ihr Gerät müssen die Mitarbeiter allerdings
abgeben, um bei BYOD mitzumachen: Colgate-Palmolive kann die
IBM-Software nutzen, um Firmendaten aus der Ferne zu löschen. (Das gilt
allerdings nicht für persönliche Informationen, Fotos oder Musik.) Wird
ein Gerät gestohlen oder ein Mitarbeiter verlässt die Firma, kann
Colgate-Palmolive sicherstellen, dass keine Konzerngeheimnisse in
falsche Hände gelangen. Ob sich Mitarbeiter dadurch in ihrer
Privatsphäre eingeschränkt fühlen, ist bislang allerdings noch nicht
erforscht worden.
Nach dem Erfolg von BYOD für E-Mail und Kalender soll das Projekt nun
ausgebaut werden. Getestet wird beispielsweise IBM Connections, eine
Software, die eine Art Facebook oder Twitter für Firmenkunden
implementiert. Nutzer können Status-Updates ebenso hinterlassen wie
Dateien untereinander austauschen. Als nächstes sollen dann weitere Apps
hinzukommen: Über einen eigenen Software-Laden, der beispielsweise
Programme von SAP enthält, einem weiteren wichtigen Partner der
IT-Abteilung von Colgate-Palmolive.
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